Brief einer Besucherin der Kindertrauergruppe
Meine Zeit in der Trauergruppe vom Berliner Herz ( von Sophia, 11 Jahre)
Als ich das allererste Mal zur Trauergruppe gegangen bin , wollte ich mich gar nicht von meiner Mutter trennen. Was ist eine Trauergruppe überhaupt? Sind die anderen Kinder nett oder eher komisch? Zwar hatte Anke uns schon zu Hause besucht und die größten Fragen geklärt, doch so ganz hatte sie mich nicht beruhigen können.
Was, wenn man in einer Trauergruppe nichts anderes tut als zu weinen? Diese Sorgen habe ich mir damals grundlos gemacht.
Sobald ich auf den Bauernhof kam, wurde ich von Anke, Regine und Norbert, Sarah, Elise, Elena und Susanne herzlichst empfangen. Sie und die bunte Tiertruppe des Bauernhofes haben dafür gesorgt, dass ich mich sofort wohlfühlte. Auch die anderen Kinder schloss ich bald ins Herz.
Auch jetzt, mehr als ein halbes Jahr später, habe ich noch mit vielen von ihnen Kontakt. Noch am selben Tag durften wir uns unsere Partnertiere aussuchen. Mein Wunsch ging in Erfüllung, denn ich bekam Tristan- das beste Schwein der Welt! Als meine Mutter mich am selben Tag nach Hause fuhr erzählte ihr ein strahlendes Kind, dass es seit Ewigkeiten nicht mehr so glücklich gewesen sei wie heute.
Von nun an zählte ich die Tage bis zur nächsten Trauergruppenstunde. Und nicht nur auf dem Bauernhof, auch im Berliner Herz ging es lustig zu. Wir haben Geschichten gelesen, viel gebastelt und reichlich Süßes gegessen. Aber auf dem Bauernhof hatten wir immer noch unsere Tiere.
Immer wenn ich auf den Bauernhof kam, stand Tristan am Zaun seines Geheges und wartete auf mich. Er hat immer gegrunzt und mit dem Schwanz gewedelt. Das ist ein Zeichen dafür, dass er sich freut, hat Regine mir erklärt. Und ich habe mich natürlich auch immer gefreut. Ich habe ihn dann zur Begrüßung erstmal gebürstet. Man würde ja immer denken, Schweine sind dreckig, doch nachdem ICH da war, war Tristan nicht nur das beste sondern auch das sauberste Schwein der Welt ! Es war soo schön, mit ihm spazieren zu gehen, ihm vorzulesen oder auch nur mit ihm zu kuscheln!
Ich weiß noch, gegen Ende der Trauergruppe hat jeder einen Brief an seinen verstorbenen Menschen geschrieben und an unseren selbstgepflanzten Baum gehangen. Einen halben Roman habe ich niedergeschrieben während Tristan tiefenentspannt neben mir lag – ich meinen Kopf auf seinem Bauch . Hinterher habe ich mich so leicht gefühlt, als könnte ich schweben, so gut hat es getan, meine Gedanken aufzuschreiben! Und wenn ich Tristan mal vermisse, habe ich immer meine Erinnerungskiste. In ihr befindet sich ein Fotoalbum, eine Schleichfigur die Tristan zum Vrwechseln ähnlich sieht und noch viele andere schöne Dinge, die mich an die Trauergruppe erinnern. Die ganze Kiste wurde liebevoll von den Helfern der Trauergruppe zusammengestellt.
Ich bin so so so dankbar, dass ich bei der Trauergruppe mitmachen durfte. Sie war eine wunderschöne, einzigartige Erfahrung, von der ich hoffe, dass sie noch viele Kinder wie ich haben dürfen.
Sophia